von Bluebell » Mo 8. Sep 2008 17:33
Hallo Kirsten,
also ich möchte hier gleich mal was dazu sagen: Dein alter Hund hat sich VÖLLIG normal verhalten!!
Bei der Aggression gibt es folgende Erscheinungsformen:
•Dominanzaggression – Dient zur Erlangung und Sicherung eines möglichst hohen sozialen Ranges innerhalb des Rudels.
•Aggressivität unter Rivalen – Wenn Hunde ohne anerkannte Rangordnung um etwas kämpfen.
•Angstbedingte Aggression – Element der Selbstverteidigung.
•Aggression unter männlichen Tieren – Aggression unter Rüden ist ein angeborener, geschlechtsbedingter Hang, miteinander zu kämpfen.
•Territoriale Aggression – Dient der Verteidigung des heimischen Lebensraumes gegenüber Artgenossen.
•Aggression infolge von Schmerzen
•Aggression von Muttertieren – Wenn die Mutter ihre Welpen bedroht glaubt.
•Erlernte Aggression – Wird durch unterschiedliche Reize ausgelöst und öfter gezeigt, je öfter sie zum Erfolg führt.
•Krankhafte Aggression – Relativ selten. Erkrankungen des ZNS, Gehirntumore, Wasserkopf, Epilepsie, ZNS-Staupe, Tollwut und ähnliches können Gründe sein.
•Ererbte Aggressivität – Genetisch bedingt.
Ich denke, da die Kastration nichts gebracht hat, wir der Ablauf bei Deinem Hund so gewesen sein, wie er bei den meisten ist. Er ist am Ende seiner Pubertät angekommen (ca. 1,5 Jahre alt bei den meisten geht es ehr los), dann wird bei Rüden aus Spiel schon mal ernst, weil Spiel einfach nicht mehr nur Spiel ist. Spiel dient irgendwann der Tatsache einen möglichst hohen Status zu erlagen und zu zeigen, was man kann. Meistens ist es so, dass der Hund lernt, dass er mit dieser Form des Umgangs etwas erreichen kann. Wenn man hier nicht rechtzeitig eingreift hat man früher oder später eine erlernte Aggression!!
Ich denke, Du hattest eine Mischform.. wahrscheinlich die Dominanzaggression, Aggressivität unter Rivalen, Angstbedinge Aggression, die Aggression unter männlichen Tieren udn später dann die erlernte Aggression.
Ich würde die Aggression unter männlichen Tieren hier nicht als Wichtigste sehen, weil die Kastration dann mehr bewirkt hätte.
Was von Anfang an wichtig ist (egal ob Rüde oder Hündin - keines von beiden ist einfacher, man kann auch eine zickige Hündin erwischen und so eine ist NOCH anstrengender), ist dem Hund klar zu machen, wer für ihn schwierige Situationen löst. Das ist immer der Chef. Ein Hund hat in Gegenwart seines Chefs nur sehr bedingt etwas mit anderen Hunden auszutesten!! Grade wenn der Hund ins entsprechende Alter kommt, braucht man viel Wissen über Hundesprache, um sogenanntes Spiel zu verstehen und rechtzeitig einzugreifen.
Ich habe hier auch einen Dalmatiner... wer den nicht kennt, der sagt auch, GUCK MAL, WIE SÜSS, DER RENNT ZU JEDEM NEUEN HUND!! Ja, weil er kontrolliert. Sobald Frauchen auch nur 2 Sekunden auf dem Platz schläft, sucht der sich einen, den er anstänkert. Ich bin mir sicher, wäre die von Anfang an bei einem Hundetrainer gewesen, der DIE HUNDE ALLES MÖGLICHE UNTEREINANDER AUSMACHEN LÄSST, hätte sie jetzt ein RIESIGES Problem am Hals... klar ist der Hund schon einer, der sehr stark kontrolliert wird. Wäre er aber in einem Hunderudel auch, weil er immer einer wäre, der an Chefes Stuhl sägen würde.
Worauf Du achten musst ist sooo umfangreich, dass das hier absolut den Rahmen sprengen würde. Du musst auf jeden Fall lernen Hunde zu lesen und zu sehen, wann aus Spiel ernst wird und wann einer den anderen anprollt und wie drauf reagiert wird. Man kann 98% aller Beißunfälle verhindern nur dadurch, dass wir die Sprache der Hunde lernen!!
Ich habe 11 Hunde, alle nicht so ganz einfach... aber es gab noch NIE einen Kampf, den ich nicht vorhergesehen habe. Alle "Kämpfe" dienten dazu, die Rangordnung der Tiere untereinander herzustellen und das waren bislang genau 2, die völlig unblutig waren!!
Lesen, sehen, verstehen und eingreifen ist mein Motto!! In meiner Anwesenheit haben meine Hund nichts untereinander auszumachen, was über ein Säbelwetzen hinausgeht!
Lieber Gruß
Alex