Hallo Socke,
ein Tierheimhund, erst eine Woche bei euch ist… wer weiß, was der schon mitgemacht hat.
Mit dem Erziehen kannst (und solltest du sogar) sofort anfangen. Erziehung heißt hier aber nicht zu dominieren, sondern dem Hund zu vermitteln das du vertrauenswürdig bist und es sich lohnt, dir zu folgen.
Rumhopsen und bellen kann einfach nur Unsicherheit sein. Euer Hund befindet sich ja in einer völlig neuen Situation. Er kann aber jetzt schon lernen (und sollte es auch) „Rockertum lohnt sich für mich nicht“. Dass heißt, wenn er dich anspringt und bellt, passiert einfach gar nichts. Wenn er ruhig ist, musst du natürlich sofort belohnen.
Geh immer freundlich und souverän mit ihm um. Er wird sich bei euch noch nicht wirklich sicher fühlen (wie auch nach einer Woche). Also muss der Erfahrungen machen, die ihm zeigen „ich brauch gar nicht den Zampano machen, meine Menschen haben die Situation unter Kontrolle, ich kann mich entspannen.“
Um ihn an seinen Platz gewöhnen, auf dem er bleiben soll und der für ihn ein Ort der Sicherheit sein soll, bist du am besten immer mit Leckerchen „bewaffnet“. Liegt er auf seinem Platz wenn du durch den Raum gehst, fliegt als Überraschung kommentarlos immer mal wieder ein Leckerchen zu ihm. Er soll verstehen „hier ist meine Welt in Ordnung und das ist es, wofür Frauchen mich belohnt“.
Zum Ziehen an der Leine: verwendet ihr ein Brustgeschirr? Würde ich empfehlen, dass nimmt dem Hund schon mal viel Stress. Bitte keine Flexileinen verwenden, damit bringt man dem Hund das Ziehen erstrecht bei. Leinenführigkeit übt man am besten erstmal ohne Ablenkung. Zum Beispiel auf einem Parkplatz vom Supermarkt am Sonntag, wenn dort nichts los ist.
Bevor ihr anfangt zu üben, solltet ihr mit dem Hund spielen, damit er sich schon auspowern kann. Dann wird es leichter.
Wenn man geradeaus geht, ist die Versuchung zu ziehen für den Hund sehr groß, er will ja vorankommen. Besser ist es, große Figuren zu gehen. Denk dir eine Acht oder ein Viereck oder ein Dreieck welches du abschreitest. Kommt er in Versuchung vom „Kurs“ abzukommen, den Hund mit einem freundlichen Wort ermuntern zu folgen. Und natürlich immer schön belohnen, wenn er an lockerer Leine mitmarschiert.
Leinenführigkeit ist nicht zu verwechseln mit „bei Fuß“! Das ist erst später dran. Leinenführigkeit heißt, der Hund geht an der lockeren Leine mit ohne zu ziehen. Er muss dabei nicht an deinem Knie „kleben“. Wenn ihr das kontinuierlich übt, sollte er schnell verstehen, was Sache ist

Dann könnt ihr mit Ablenkungen beginnen, als zB einen Feldweg entlang gehen, wo es auch viel zu schnuppern gibt. Der Hund DARF auch mal stehen bleiben und schnuppern, nur ziehen soll er halt nicht. Hund wieder freundlich ansprechen und zum mitkommen Auffordern.
Zu Menschen- und Hundebegegnungen hatte ich an anderer Stelle schon was geschrieben.
Auf die Distanz achten, bei der euer Hund den Anblick anderer Hunde oder Menschen entspannt aushalten kann und ihn belohnen. Nach und nach die Distanz verringern.
Was ihr grundsätzlich nicht tun solltet ist die Leine kurz zu nehmen, sobald andere in Sicht kommen. Das gibt dem Hund ein völlig falsches Signal und macht ihm Stress.
Superwichtig ist auch, dass du selbst immer ruhig und entspannt bist, damit er sich an dir orientieren kann. Bist du unsicher oder nervös, bekommt er das mit und wird selber unsicher und nervös.
Und noch mal: Gehe immer freundlich und souverän mit deinem Hund um, damit er lernen kann sich deiner Führung anzuvertrauen, dass du ihm Sicherheit bietest und ein verlässlicher, berechenbarer Sozialpartner bist.
Lieben Gruß
Wisgard