Im Tierschutzbereich werden sowohl Hündinnen als auch Rüden grundsätzlich kastriert. Sicherlich ist eine unkontrollierte Fortpflanzung in jedem Fall zu verhindern! Doch wäre hier die Sterilisation wie sie in der Zoologie und Wildtierpflege längst erfolgreich praktiziert wird die weitaus sinnvollere Methode.
Neue Erkenntnisse aus der Verhaltensbiologie weisen Zusammenhänge zwischen Bindungsfähigkeit, Hormonen und Gehirn auf. Diese neuen Arbeiten dazu zeigen, dass es bestimmte Regionen im Vorderhirn gibt, die mit An-/Abwesenheit von Revierverhalten, sozialen Bindungen, Aggression/Dominanz oder Sexualverhalten in Beziehung stehen und dass diese Regionen untereinander vernetzt sind.
Daraus ergibt sich das die Auswirkungen einer Kastration wesentlich weitreichender als lediglich auf das Sexualverhalten sind und gleichzeitig kein Garant für die Verbesserung eines unerwünschten Verhaltens sein muss/kann, da die relevanten Hormone einerseits ebenfalls an anderen Stellen im Körper gebildet werden und andererseits ebenso Auswirkungen auf andere wichtige Hormone (z.B. Cortisol – das Stresshormon) haben.
Außerdem ist nachgewiesen dass die Sexualhormone eine organisierende und strukturierende Wirkung im Gehirn haben und somit eine große Rolle in der körperlichen und geistigen Entwicklung bzw. Reife spielen.
Ein weiteres wichtiges Hormon ist das Prolaktin. Dieses Hormon das bei der Hündin zum Ende ihrer (Schein-)trächtigkeit ausgeschüttet wird, ist für die Empfindung von elterlichen Gefühlen und entsprechendem Verhalten verantwortlich. Aber es wird eben nicht nur von der Hündin produziert, sondern auch von Rüden in der Zeit der Frühjahrsläufigkeit der Hündinnen. Die Läufigkeit der Hündin regt beim Rüden die Prolaktinbildung an. Prolaktin aber steht im Zusammenhang mit Testosteron – beide hemmen sich gegenseitig. „Da Prolaktin in der Hirnanhangdrüse produziert wird, kann man es schlecht kastrieren“ (lt. Gansloßer, Vortrag 2006)
Begriffserklärung Kastration – Sterilisation
Fälschlicherweise werden die Begriffe Kastration und Sterilisation oft durcheinander geworfen. Manche Hundehalter meinen, bei einer Hündin spreche man von einer Sterilisation, beim Rüden von einer Kastration. Das ist so jedoch nicht korrekt.
Bei einer Kastration werden die Keimdrüsen des Hundes (Hoden bzw. Eierstöcke) entfernt. Bei der Hündin wird zwischen Overektomie, bei der nur die Eierstöcke entfernt werden und der Ovarhysterektomie, bei der neben den Eierstöcken auch die Gebärmutter entfernt wird, unterschieden. Dem gegenüber gibt es beim Rüden sowohl die chirurgische als auch die chemische (hormonelle) Kastration. Die chirurgische Kastration ist ein unumkehrbarer Eingriff. Demgegenüber ermöglicht die chemische Kastration nach Absetzten der entsprechenden Präparate ebenso wie die Sterilisation ein Rückgängigmachen und somit eine Wiederherstellung des normalen Hormongeschehens und der Fortpflanzungsfähigkeit.
Demgegenüber werden bei einer Sterilisation die keimableitenden Wege (Samenleiter/Eileiter) unterbunden oder (teilweise) herausgenommen. Das bedeutet dass im Falle der Sterilisation der Hund unfruchtbar gemacht wird ohne dass auf die hormonelle Situation Einfluss genommen wird.
Ich selbst habe zwei intakte Hündinnen mit denen ich auch während der Läufigkeit und in den Stehtagen spazieren gehen. In den Stehtagen bleiben sie bei mir, seh ich andere Hunde sind sie eben an der Leine und dann kann man die aufdringlichen Herren auch durchaus kontrolliert abwehren.
Ich bin absolut nicht gegen Kastration doch sollte man sich damit schon gut auseinandersetzen und wissen was da eigentlich geschieht, sowie abwägen wie sinnvoll bzw notwendig das Ganze ist
