Es ist durchaus verständlich, dass man auch mal faucht, wenn einem Fehler unterstellt werden, denn man ist ja schließlich nur bemüht, immer alles richtig zu machen. Aber Fehler machen wir alle – immer wieder und in allen möglichen Situationen. Außerdem stört uns hier kein Fauchen, wir sind schließlich Bellen gewohnt.
Dass du nur eine meiner Fragen beantwortet hast, finde ich sehr schade, denn die Antworten würden ineinander greifen und euch wahrscheinlich sogar selbst zur Lösung des Problems führen, wie es ja schon bei der Beantwortung der einen Frage der Fall war. Euren Lösungsansatz finde ich vollkommen richtig, denn der Zwinger ist bisher für eure Maus einfach nur eine Art Abschiebehaft und kein Rudelplatz, wo sie Geborgenheit und Ruhe findet. Da ihr jetzt verstärkt dort zusammen Zeit mit ihr verbringen werdet, wird sie sich dort auch bald wohler fühlen. Wichtig ist es, dort mit ihr nicht zu spielen, sondern nur zu kuscheln, einfach nur da zu sein. Dann wird sie merken, dass im Zwinger wirklich Ruhe angesagt ist, was ihr eh gut tun wird.
Hach, ich kann nicht anders, ich lehne mich jetzt noch mal weit aus dem Fenster, indem ich doch noch einmal einen Tipp gebe, der allein auf Vermutungen basiert. Davon ausgehend, dass ihr bemüht wart, dem Welpen gleich von Beginn an die Welt in seiner ganzen und komplexen Schönheit zu zeigen und ihm beizubringen, vor nichts Angst haben zu müssen, werdet ihr ihn wahrscheinlich gleich überall mit hin genommen haben. Diese Form von Desensibilisierung ist ja in den letzten Jahren/Jahrzehnten schwer in Mode gekommen und oft genug wird bei Welpen ja schon in Inseraten damit geworben, was sie nicht alles schon kennen gelernt haben (Katzen, Kleintiere, Autofahren, was auch immer). Dazu kommt dann noch die – nennen wir es mal – geistige und körperliche Frühförderung wie das Spielen mit diversen Geräten (manche Gärten von Züchtern sehen aus wie ein Kinderparadies) und auch Spielen und Laufen lassen mit möglichst vielen anderen Hunden.
Meiner bescheidenen Meinung nach ist das einfach alles zu viel des Guten und die Hunde werden förmlich darauf trainiert, immer und überall Action um sich zu haben, wo sie natürlich dann auch mithalten wollen. Ich denke mal, euer Hund hat einfach vergessen, dass es auch ganz toll sein kann, einfach mal gar nichts zu tun und nur nutzlos vor sich hin zu dösen. Mit viel Geduld könnt ihr es ihm aber wahrscheinlich wohl noch beibringen und schmackhaft machen. Nehmt ganz langsam aber konsequent einiges an Action aus dem Leben eures Hundes raus. Das geht nicht von jetzt auf gleich und auch nicht von 100 auf 0. Euer Hund ist wie ein Hochleistungssportler, der jetzt langsam abtrainiert werden muss, bevor er sich Ruhe gönnen kann.
Wenn ihr eine Schleppleine besitzt, dann nehmt die mit auf Spaziergänge, sucht euch eine Wiese oder ein Feld aus, wo nicht alle fünf Minuten ein Hund um die Ecke kommt, setzt euch ins Gras und macht… nichts! Nehmt euch ruhig etwas zu Essen und zu Trinken mit, denn ihr solltet da schon länger als nur ein paar Minuten verweilen. Sobald der Hund zu euch kommt und sich vielleicht sogar hinsetzt oder –legt, dann lobt ihn übern grünen Klee und gebt ihm auch mal ruhig ein Leckerchen. Ein kauender Hund hat weniger Drang, gleich wieder loszurennen. So wird euer Hund lernen, dass draußen zu sein nicht gleich ein volles Animationsprogramm mit sich bringt. Auf ähnliche Weise kann man ihn im Haus zur Ruhe bewegen. Ferner sollten die Tobeeinheiten mit anderen Hunden nicht erst von der Müdigkeit der anderen Hunde begrenzt werden sondern von euch. Holt ihn nach gewisser Zeit aus dem Spiel raus und geht weiter. So lernt die Kleine, dass Spielzeit begrenzt ist und ihr diese Grenzen zieht.
Zieht euer Hund vor Freude auf die kommende Action an der Leine? Dann bleibt stehen, bis die Leine wieder schlaff durchhängt. Eher geht ihr nicht weiter. Ruhe wird belohnt, Action (von euch) begrenzt zugelassen. Besuch darf den Hund erst begrüßen, wenn er sich abgeregt hat, vorher wird er ignoriert (der Hund, nicht der Besuch *gg*) usw.
Nehmt langsam und allmählich die reinen Tobezeiten zurück und schafft dafür mehr Möglichkeiten zur Kopfarbeit. So bleibt der Hund ausgelastet, ist aber nicht mehr der Hamster im Laufrad. Vielleicht gibt es bei euch sogar eine Einrichtung, die Ausbildungen zu Suchhunden anbietet.
Sorry für den vielen Text, aber noch kürzer konnte ich mich jetzt einfach nicht fassen… Frauen und ihr angeborenes Laber-Gen halt
LG Jutta