Dein Hund knurrt dich an - du trittst daraufhin den Rücktritt an.
Du näherst dich dem Hund wieder - Hund denkt sich "hat die das denn nach dem Knurren jetzt immer noch nicht begriffen?!" und beißt zu. - Du trittst den Rücktritt an.
...
Zeit vergeht.
...
Der Hund wird
von deinem Freund auf den Balkon gesperrt. Du bist nicht einmal anwesend, da du deine Hand versorgst.
Und du meinst ernsthaft, dass dein Hund begriffen hat, dass er fürs Beißen sozusagen "auf die stille Treppe" geschickt wurde? Hunde sind keine Kinder. Du kannst deinem Hund nicht 4 Minuten später sagen "und dieses Leckerlie bekommst du jetzt weil du vorhin brav warst", ebenso wenig wie du deinem Hund sagen kannst "mein Freund sperrt dich jetzt, Minuten nach dem Biss, auf den Balkon, weil das mir gegenüber ungezogen war. Das wird dein Hund nicht verstehen.
Ich bin wirklich ein Mensch, der so freundlich und respektvoll wie möglich mit seinen Hunden umgeht. Ich achte auf ihre Signale und nehme sie ernst. Aber manches geht einfach nicht. Wenn mein Hund meint beim Bürsten Theater zu machen, dann überprüfe ich erst, ob ich ggf. wirklich zu grob war (habe auch Langhaarhunde, da kanns schnell mal wirklich fies ziepen) und gehe nochmal sanfter bei, aber wenns dann nicht mehr sanfter geht und Hund immer noch Theater macht, dann mache ich auch Theater. Und wer mich beißt, der bekommt ein Echo - SOFORT. Das reicht von Schnauze kurz und kräftig packen mit anknurren meinerseits bis hin zu "ich beiße meinen Hund zurück". Kein Witz - beide meiner Hunde sind von mir schon gebissen worden, ich beiße nicht ohne Vorwarnung und mit Sicherheit nicht für Kleinigkeiten, aber wenn es angesagt ist, dann beiße ich auch so, dass die Botschaft ankommt.
Das heißt nun aber um Himmels Willen nicht, dass du jetzt deinen Hund anknurren oder beißen sollst. Bloß nicht! Bei euch läuft etwas so grundverkehrt, dass dein Hund dich dafür wahrscheinlich erstmal richtig maßregeln würde...
Du schreibst von professionellem Training und davon
war mir eh klar das die hundeschule zwar gut ist und ihm das spaß macht aber wie gesagt er benimmt sich zu hause wie ien rüpel, aber auch erst seit wir in der hundeschule sind
...da passt auch was nicht. Wie wird dort trainiert? Was wird vermittelt? Ich könnte mir vorstellen, dass dort eher nach dem "Rudelführerprinzip" agiert wird, sprich: der Mensch muss Chef sein, Hund hat sich unterzuordnen?
Ich mag sowas nicht, und meistens werden Hunde in solchen Schulen "entmündigt", verunsichert und demotiviert. Meine Hunde müssen auch gehorchen wenn ich ihnen etwas vorgebe - aber ich käme auch nicht auf die Idee, sie nun grundlos und nur zur Demonstration von Macht rumzukommandieren. Sie haben durchaus auch mal die eine oder andere Sekunde mehr Zeit zu reagieren, ohne dass ich mir in meiner "Chefposition" auf den Schlips getreten fühle. Auch wenn Hunde keiner Kinder sind, so sehe ich mich doch eher in der Rolle der autoritären Bezugsperson als eines "dominanten Rudelführers".
Und so sieht die Interaktion zwischen mir und meinen Hunden aus, und so funktioniert sie - auch und sogar mit meinem ziemlich querköpfigen Sturschädelrüpel, seines Zeichens unkastrierter Rüde mittlerer Größe (30kg) der sich von nichts und niemandem etwas sagen lässt (nicht mal von meiner Mutter, die ihn tagsüber häufig für einige Stunden betreut), von niemandem eine ihm unangenehme körperliche Manipulation toleriert (da hilft nicht mal eine Narkose beim Tierarzt - wenn dieser Hund etwas nicht will, dann kämpft er sich sogar aus der Narkose raus!) und bei hingehaltenen kleinen Fingern nicht nur die ganze Hand, sondern gleich den ganzen Arm nimmt. Er nimmt mich als einzige ernst und orientiert sich an mir. Mit "Dominanz" und Co wäre das nicht zu erreichen gewesen.
Lange Rede kurzer Sinn:
Ich würde dir dringend eine andere Hundeschule ans Herz legen!!! Denn nach dem was du schreibst, wie du offenbar mit deinem Hund umgehst (Stichwort: Vermenschlichung? Nicht böse gemeint!!) und wie dein Hund auf bisherige Erziehung reagiert, scheint da etwas grundverkehrt zu laufen.
Und parallel empfehle ich dir erstmal die folgenden Bücher:
Patricia B. McConnell: Das andere Ende der Leine
Karen Pryor: Positiv bestärken, sanft erziehen. Die verblüffende Methode nicht nur für Hunde.
Übrigens: wenn für den Hund Trennung vom Menschen in Form von ausgesperrt werden tatsächlich eine Strafe ist, dann mag sie von mir aus auch bei Übergriffen wie Bissen eingesetzt werden. Aber dann bitte nicht von deinem Freund und nicht *irgendwann*. Auch wenn der Schreck bei dir groß ist und die Hand echt weh tut - tu dir selbst und der gemeinsamen Zukunft mit deinem Hund den Gefallen und reagiere selbst und reagiere sofort! Schnapp dir deinen Hund SOFORT und schmeiß ihn raus!!! Das darf dann auch nicht à la "Och nu geh mal auf den Balkon und bleib mal da" geschehen, sondern das muss ankommen! Dein Hund hat Scheiße gebaut!!! Lass ihn das merken! Wenn dein Hund was tolles macht, dann schickst du ja auch nicht nach 2 Minuten deinen Freund los, dem Hund mal ein Leckerlie dafür geben, sondern lobst selbst, sofort und (hoffentlich) enthusiastisch. Warum dann nicht genauso bei Strafe? Sei authentisch für deinen Hund! Freu dich richtig wenns gut läuft und sei auch richtig sauer, wenns mal schlecht läuft.